
Lagebericht 2004 des “Zentrums für humanitäre Hilfe Phönix“ Erstellungsdatum: Februar 2005
Das Jahr 2004 ist vergangen, die meisten Bewohner des Familienhauses leben nun bereits im dritten Jahr in Rogatschowo.
Das Projekt hat 2004 viele kleine und große Schritte nach vorn getan – und natürlich gab es auch wieder einige problematische Momente, die wir Ihnen keineswegs vorenthalten möchten.
Insgesamt kann gesagt werden, dass sich die „Familie“ immer besser in Rogatschowo eingelebt hat, vor allem die Kinder haben dort wirklich ein neues Zuhause gefunden.
Für alle neueren Unterstützer, die nicht seit Beginn dabei sind, ein kurzer Blick zurück:
Die Arbeit des „Zentrums für humanitäre Hilfe Phönix“ begann im November 2001, als die “Deutsch-Russische Gesellschaft Kraichgau e.V.“ den Entschluss fasste, die Organisation dauerhaft zu unterstützen. Dies war die Basis, auf der es möglich war, das Projekt zu starten, und so wurde eine Hälfte eines Doppelhauses im dorfähnlichen Teil von Rogatschowo gekauft, einer kleinen Stadt ca. 80 km nördlich von Moskau im Verwaltungsbezirk Dmitrov.
Die Idee war, das Projekt in einer Umgebung durchzuführen, in der „unsere“ Kinder nicht auffallen würden, und in der sie
außerdem zur Schule gehen könnten. Rogatschowo hat eine Schule von der ersten bis zur letzten Klasse, sie ist nur etwa 15 Minuten
Fußweg vom Haus entfernt.
Die Hauptarbeitsfelder seit Projektbeginn waren und sind:
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Familienhaus |
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Organisation von Privatunterricht für die Kinder, von denen einige vor ihrem Einzug in Rogatschowo noch nie zur Schule gegangen waren; |
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Beschaffung bzw. Beantragung von Geburtsurkunden und Ausweisdokumenten für die Kinder (ist für alle Kinder, die seit 2002 in Rogatschowo wohnen, erfolgreich abgeschlossen); |
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Gartenbau zur teilweisen Eigenversorgung; |
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Psychologische Unterstützung für Erwachsene und Kinder; |
Seit Juni 2003 führt Phönix außerdem ein weiteres Projekt durch, nämlich eine tägliche Suppenküche im Zentrum von Moskau, in der Nähe eines großen, von Obdachlosen stark frequentierten Bahnhofs (Kursker Banhnhof).
Der Stand der verschiedenen Projektbereiche per Ende 2004:
Familienhaus
1. Privatunterricht / Nachhilfeunterricht:
Die Nachhilfestunden wurden das ganze Jahr hindurch fortgesetzt, sie haben den Kindern, die zur Schule gehen, zu überwiegend guten und sehr guten Noten verholfen. Bisher hat jedoch keines der Kinder Klassen übersprungen. Der Privatunterricht wird fortgesetzt, da dieser auch zu einer gewissen Lerndisziplin verhilft.
2. Dokumente:
Alle im Familienhaus lebenden Kinder sind auch dort offiziell registriert,
also amtlich gemeldet. Noch nicht abgeschlossen ist dieser Prozess für die
Erwachsenen sowie für den neuesten Bewohner;
3. Garten:
Nach einer beachtlichen Ernte in 2003 fiel das Ergebnis der Eigenversorgung 2004 eher enttäuschend aus. Es gab zwar frisches Gemüse, aber die Menge reicht nicht aus für ernsthafte Einsparungen bei Lebensmittelausgaben. Ob dies am vergleichsweise schlechten Sommer oder am fehlenden Engagement gelegen hat, lässt sich schwer sagen, hierauf wird 2005 verstärkt geachtet werden müssen.
Nach wie vor gibt es Kaninchen und Ziegen in Rogatschowo, nach einer grundlegenden, dringend notwendigen, Renovierung (s.u.) soll 2005 voraussichtlich der seit Beginn des Projekts bestehende Plan umgesetzt werden, die Wirtschaft mindestens noch um Hühner zu ergänzen.
4. Psychologische Unterstützung:
Dieser Bereich konnte leider noch nicht umgesetzt werden. 2002 war eine Psychologin einige Monate lang mehrmals pro Woche nach Rogatschowo gekommen war, um mit den Kindern zu arbeiten. Sie wurde allerdings nie vollständig akzeptiert, wahrscheinlich unter anderem aufgrund eines falschen Anfangs – wir hätten sie nie als Psychologin einführen dürfen aufgrund der in Russland weit verbreiteten skeptischen, negativen Haltung Psychologen gegenüber (nach dieser Haltung ist, wer einen Psychologen aufsucht, „verrückt“). 2004 ist es nicht gelungen, hier einen tatsächlichen Neuanfang zu machen, dies steht aber für 2005 fest im Programm, denn psychologische Unterstützung für Kinder und Erwachsene in Rogatschowo ist definitiv notwendig, sowohl wegen der schweren Vergangenheit als auch wegen der fehlenden Erfahrung, in einer Familie unter einem Dach zusammenzuleben (Themen wie Kompromissbereitschaft, Eingehen auf Mitbewohner, etc.).
5. Charakteristika der Bewohner und ihrer Entwicklung:
Die einzelnen Kinder und ihre Entwicklung sind auf den folgenden Seiten beschrieben.
Doch zunächst zu den Erwachsenen, die im Haus leben:
Elena und Nadia sind die “Hausmütter” in Rogatschowo:
Elena: August 2004 Elena ist etwa 30 Jahre alt, sie hat am 21. Januar Geburtstag. Sie hat einen großen Teil ihres Lebens auf der Strasse verbracht und eine Fehlgeburt hinter sich. Insgesamt erzählt sie wenig über sich. Sie hat ein sehr gutes Verhältnis zu den Kindern, begleitet sie zur Schule, zu Arztbesuchen, und ist für alle weiteren Fahrten, die mit den Kindern unternommen werden müssen, zuständig; häufig wird sie dabei durch Oxana Jegorowa, die Schwester des Projektleiters (s.u.) unterstützt. Im Haus trägt sie v.a. die Verantwortung für Garten und Wäsche.
Nadia: August 2004 Nadia wurde am 11.06.1959 in Moskau geboren. Sie hat einen älteren Bruder und eine Schwester. Nadia besuchte die Schule und wechselte von dort aufs medizinische College, allerdings brach sie dies wegen ihrer ersten Schwangerschaft ab, es folgten etliche Umzüge, mehrere Partnerschaften und insgesamt vier Kinder. Da Nadia in Moskau geboren und registriert war, hatte sie das Recht auf eine Wohnung und auf deren Privatisierung Anfang der 90er Jahre. Ihr damaliger Freund überredete sie, ihre Wohnung zu verkaufen und das aus dem Verkauf erzielte Geld zum täglichen Leben zu nutzen. Dies war vielleicht der größte Fehler, letztlich stand Nadia ohne Wohnung und ohne Partner da. 1995 schrieb Nadias Mutter ihre Kinder im Internat ein, Nadia hat ihre älteren Kinder seitdem nicht mehr gesehen. Ein weiterer erfolgloser Wohnungswechsel folgte, und schließlich lebte Nadia eine Weile mit Sergeis Vater in einer Waldhütte. Sergei kam 1997 zur Welt, ein Jahr später wurde Nadias jüngstes Kind geboren, ein weiterer Sohn. Es ist nicht bekannt, wo dieser sich aufhält, denn aufgrund einer Krankheit kam er als Kleinkind in ein Krankenhaus, und da er auf der Strasse zur Welt gekommen war, konnte Nadia keinerlei Papiere vorweisen, die belegt hätten, dass dies ihr Sohn ist. So gelangte er vom Krankenhaus ins Kinderheim und von dort möglicherweise in die Adoption. Wohl als Folge ihres schweren Lebens, der vielen Rückschläge und vor allem des Verlustes der meisten ihrer Kinder ist Nadia selbst zur Alkoholikerin geworden. Sie kämpft mit dieser Krankheit, aber nach den letzten Jahren in Rogatschowo musste uns allen klar werden, dass sie den Kampf nicht allein schaffen wird. Im Dezember wurde mit einem Entzug ein erster Schritt unternommen. Sobald wie möglich soll eine Langzeittherapie begonnen werden, nach deren Abschluss Nadia wieder nach Rogatschowo zurückkommen wird. Ihr Sohn, Sergei, wird während der Dauer der Therapie in Rogatschowo bleiben.
Die Kinder
Andrei
Vollständiger Name: Andrei Ivanovich Burta
Tatsächliches Geburtsdatum: 25.4.1988
Tatsächlicher Geburtsort: Chisinau, Moldawien
Geburtsdatum auf neuer Geburtsurkunde: 25.08.1991
Geburtsort auf neuer Geburtsurkunde: Stadt Dmitrov, Region Moskau
Eltern / Familie: seine Eltern leben in Moldawien, es gibt auch einen Bruder und eine Schwester, es ist allerdings nicht bekannt, wo sich diese befinden.
Geschichte: seine Eltern haben ihn geschlagen, er lebte zusammen mit dem Vieh im Stall und wäre fast verhungert. In seiner früheren Version der Geschichte war Andrei irgendwann von zu Hause weggelaufen und hatte sich nach Moskau durchgeschlagen. Letztes Jahr erinnerte er sich jedoch plötzlich (oder erzählte das, woran er sich schon immer erinnert hatte), dass seine Mutter ihn per Zug mit nach Moskau genommen hatte und am Bahnhof gesagt hatte, er solle auf sie warten, sie müsse nur kurz weggehen. Danach kam sie nie mehr zurück.
Später lernte Andrei Maxim (s.u.) in einem Kinderheim kennen, und sie zogen von nun an gemeinsam durch Moskau.
Schule: zwei Klassen in Moldawien, 2003 hatte er noch Schreib- und Leseprobleme, auch Sprechen war recht schwierig, da Russisch nicht seine Muttersprache ist. Dies hat sich deutlich verbessert. Andreis Fortschritt ist langsam, er kann der dritten Klasse aber folgen, ohne hinter den anderen Schülern zurückzubleiben. Andrei wird wahrscheinlich keine Klasse überspringen können, auch wird er sicherlich nicht alle neun Schulklassen abschließen. Aber wir gehen davon aus, dass er genug Schulbildung wird bekommen können, um im Anschluss einen handwerklichen Beruf zu erlernen.
Freizeitbeschäftigungen: Andrei macht sehr gern Gartenarbeit oder auch jede andere Arbeit, die er mit seinen eigenen Händen verrichten kann. Andrei hat 2003 einige Ausbrüche hinter sich, 2004 kein einziges Mal. Er spielt mit Begeisterung Fußball.
Dima
Vollständiger Name: Dmitri Viktorowitsch Kokowuschkin
Geburtsdatum: 26. April 1996
Geburtsort:
Wladimir
Eltern / Familie und Geschichte: Dima lebte mit seiner Mutter zusammen in Moskau, bis starke Nierenprobleme bei ihm diagnostiziert wurden. Der Arzt empfahl seiner Mutter, aufs Land zu ziehen, da sie dort die Gesundheitsprobleme ihres Sohnes besser in den Griff bekommen würde. Sie befolgte diesen Rat, verkaufte ihre Wohnung in Moskau und erwarb stattdessen ein kleines Haus auf dem Land. Doch das von ihr erworbene Haus brannte schon nach kurzer Zeit ab. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt, die Folge war jedenfalls, dass sie nun keine Wohnstätte mehr hatte. Die Behörden verwiesen sie immer weiter, lehnten alle Anträge ab und trieben sie so auf die Strasse. Mutter und Sohn begannen ihr Leben auf der Strasse, die Gesundheit Dimas verschlechterte sich dramatisch. Sie wurden zu
regelmäßigen Gästen der Suppenküche, und im November 2004 fiel der Entschluss, den kranken Dima in Rogatschowo aufzunehmen.
Schule: Dima ist im richtigen Alter für den Besuch der ersten Schulklasse. Er bekommt Nachhilfeunterricht und wird die Klasse
anschließen, sobald er den Stoff der ersten Monate aufgeholt hat. Außerdem hat Dima
große Sprachprobleme, seit einigen Wochen ist eine Logopädin mit ihm beschäftigt.
Fedja
Vollständiger Name: Fedjas richtiger Name ist Fakhrydin Markamovich Faiziev. Da es jedoch niemandem gelingt, seinen Vornamen (Fakhrydin) richtig auszusprechen, haben sich alle auf den Russischen Namen Fedja als Rufnamen geeinigt.
Geburtsdatum: 25.01.1993
Geburtsort: Tadschikistan
Eltern / Familie: Fedjas Mutter arbeitet als Putzfrau an einem Moskauer Bahnhof, sein Vater wurde vor ein oder zwei Jahren ermordet, Fedja kann davon nicht sprechen, aber ausgehend von Informationen, die wir von seiner Mutter erhalten haben, war Fedja Zeuge dieses Mordes. Etwa seit der Zeit ist er halbseitig teilweise gelähmt. Zwei seiner Brüder sind bei der tadschikischen Armee, ein weiterer ist ebenfalls in Moskau (er
weiß allerdings nicht wo).
Geschichte: Fedja und seine Mutter haben Tadschikistan nach dem Mord an Fedjas Vater verlassen, um sich dem Bruder in Moskau
anzuschließen. Hier muss irgendetwas schief gelaufen sein, denn letztlich landeten sie auf der Strasse. Sie gingen jeden Tag in die Kirche (Fedjas Familie ist christlich), zu der Zeit fing Fedjas Arm wieder ein wenig an, sich zu bewegen.
Außerdem begannen sie, zur Suppenküche von Phönix zu kommen, hier hörten sie von dem Familienhaus, und
schließlich fragte Fedjas Mutter, ob ihr Sohn dort aufgenommen werden könnte. Sie selbst will versuchen, ihn hin und wieder zu besuchen, wird aber in Moskau bleiben.
Schule: Fedja hat in Tadschikistan zwei Klassen abgeschlossen und die dritte begonnen. Unterrichtssprache war Tadschikisch,
außerdem spricht er fließend Russisch.
Freizeitbeschäftigungen: Fedja kam im Spätsommer 2003 nach Rogatschowo, er besucht inzwischen die dritte Klasse und geht gemeinsam mit Andrei und Maxim zum
Fußballtraining. Trotz seiner Koordinationsschwierigkeiten (teilweise Lähmung der rechten Körperhälfte) bemüht sich der Trainer sehr um ihn, Fedja macht alle Übungen mit und wird als Motivation sogar bei Spielen aufgestellt.
Marc-Christian Haas hat Fedjas grundlegende Untersuchung organisiert, er leidet sowohl an den Lähmungserscheinungen als auch an sehr besorgniserregenden nächtlichen Anfällen (Atemnot, Ohnmacht). Wir warten noch auf die endgültige Diagnose, im Anschluss wird eine entsprechende Behandlung vorgenommen werden.
Fedja ist sehr hilfsbereit, er kommt gut in der Schule mit, lacht gern und viel und liebt es, Witze zu machen. Er trägt aber auch viel Kummer in sich, der nach und nach an die Oberfläche gelangt. Einen sehr guten Einfluss übt augenscheinlich das
Fußballtraining aus.
Jana
Vollständiger Name: Jana Kasbekovna Kuzminykh
Tatsächlicher Geburtstag: 1.5.1996
Tatsächlicher Geburtsort: Region Tscheljabinsk
Eltern / Familie: Vater und Mutter leben beide, ihr älterer Bruder (9 oder 10 Jahre alt) lebt beim Vater in Tscheljabinsk. Jana hat seit ihrem zweiten Lebensjahr mit ihrer Mutter auf der Strasse gelebt. Die Mutter kennt uns und hat selbst darauf hingewirkt, dass Jana in Rogatschowo lebt. Sie ist immer wieder über längere Perioden auch in Rogatschowo, so auch diesen Winter (2004/2005). Janas Mutter ist gelernte Grundschullehrerin (Kunst oder Malen), sie malt sehr viel mit den Kindern und fördert so ihre Kreativität.
Geschichte: Jana und ihre Mutter haben Tscheljabinsk 1998 verlassen, nachdem ihr Haus niedergebrannt war
Schule: bevor sie nach Rogatschowo kam, hatte Jana weder Kindergarten noch Schule besucht. Jana besucht mittlerweile die dritte Klasse. Sie bekommt gute Noten, muss allerdings
regelmäßig üben und braucht weiterhin Privatunterricht, da sie mitunter im Lerntempo etwas zurückbleibt. Da die Klasse ihrem Alter entspricht, besteht kein Anlass für Jana, Klassen zu überspringen. Das wichtigste für Jana ist, den Anschluss zur Klasse zu halten.
Freizeitbeschäftigungen: Seit einiger Zeit besucht Jana den Schulchor und wir hoffen, dass ihr Interesse hieran nicht so schnell erlischt.
Maxim
Vollständiger Name: Maxim Sergeevich Kusmin
Tatsächliches Geburtsdatum: Januar oder März 1992
Tatsächlicher Geburtsort: das Dorf Leontjevo in der Region Tversk
Geburtsdatum in neuer Geburtsurkunde: 11.01.1993
Geburtsort in neuer Geburtsurkunde: Stadt Dmitrov, Region Moskau
Eltern / Familie: Maxim kennt Vater und Mutter. Es gibt keine Informationen darüber, ob sein Vater noch lebt, seine Mutter lebt auf dem Bahnhof. Maxims Schwester und sein älterer Bruder leben bei der
Großmutter in ihrem Geburtsort. Maxim will nicht zu seiner Mutter zurückkehren, da diese Alkoholikerin ist.
Geschichte: Maxim lebte seit 1996 in Moskau, er war gemeinsam mit seiner Mutter in die Hauptstadt gekommen, sie war mit zweien ihrer Söhne von ihrem trinkenden Mann weggelaufen. Maxim ist mehrfach von seiner Mutter und aus Kinderheimen weggelaufen, mehrmals ist er über längere Zeit bei Nina (der ersten „Hausmutter“) geblieben. Insgesamt ist er sieben Mal aus Kinderheimen weggelaufen.
Schule: bevor Maxim nach Rogatschowo kam war er noch nie zur Schule gegangen. Inzwischen besucht er die dritte Klasse und bekommt gute und sehr gute Noten. Auch 2004 wurde jedoch von einem Klassenüberspringen abgesehen.
Freizeitbeschäftigungen: Maxims Begeisterung für Kampfsport ist vollkommen durch seine Freude am Fußball verdrängt worden. Er trainiert gemeinsam mit Fedja und Andrei bis zu viermal in der Woche, steht bei jedem Spiel auf dem Feld, und anscheinend setzt der Trainer große Hoffnungen auf ihn. Seine größte Freude waren „richtige“ Fußballschuhe zum Geburtstag im Januar 2005.
Sascha
Vollständiger Name: Alexander Borisovich Gusev
Geburtsdatum: 03.10.1987
Geburtsort: Naro-Fominsk, Moskauer Region
Eltern / Familie: Sascha hat den größten Teil seiner Kindheit bei seinen Eltern verbracht, bis beide ihre Arbeit verloren und alkoholabhängig wurden. Letztlich ist Sascha von ihnen fortgelaufen, später wurde er in ein Kinderheim eingewiesen, seinen Eltern wurde das Sorgerecht entzogen.
Geschichte: Gespräche mit dem Direktor des Kinderheims, in dem Sascha gelebt hatte, haben ergeben, dass Sascha häufig weggelaufen ist. Bei einem dieser Ausbrüche hat Sascha in einer Bushaltestelle in Rogatschowo geschlafen, hier fanden ihn die Kinder aus dem Phoenix-Haus. Sie freundeten sich an, und schließlich fragten die Kinder, ob Sascha bleiben dürfe. Sein häufiges Weglaufen ist auch der Grund, weswegen der Direktor des Kinderheims von Beginn an sehr dafür war, dass Sascha in Rogatschowo bleibt, denn, so meinte er, es scheine, dass Rogatschowo der einzige Ort sei, an dem Sascha gern bleibe, an dem er die Schule besuche und den Weg zurück in ein geordnetes Leben schaffen könnte.
Sascha ist das älteste der Kinder, der Stimmbruch macht sich bereits bemerkbar, und er hat bereits einen Pass (Russen erhalten mit 14 ihren ersten Pass). Seine Dokumente waren etwas leichter zu bekommen, da alles im Kinderheim aufbewahrt wurde.
Sascha ist gut in der Schule, solange er Lust dazu hat. Man merkt aber auch deutlich, dass er nun ein Teenager ist und häufig mehr Interesse an außerschulischen Aktivitäten hat. Das Bemühen hält an, ihn für die Schule zu begeistern, denn am Ende dieses Schuljahrs wird die Entscheidung fallen, ob er nach der 9. Klasse die Schule verlässt und eine Lehre beginnt, oder ob er bis zur 11. Klasse in der Schule bleibt und dann die Möglichkeit hätte, ein Studium aufzunehmen.
Unerwartete Probleme kamen Ende Dezember auf uns zu, als mit einem Mal ein Krankenwagen des Kinderheims, in dem Sascha früher gelebt hatte, in Rogatschowo stand und zwei kräftige Herren verlangten, man möge ihnen Sascha mitgeben. Hintergrund für die äußerst eigenartige Geschichte ist, dass Sascha Recht auf eine Wohnung in seinem Geburtsort hat, sobald er 18 wird, also 2005. Dem Kinderheim war daher mit einem Mal eingefallen, dass sie ja immer noch einen Anspruch auf das Sorgerecht für Sascha haben, denn sein Umzug nach Rogatschowo verlief als Gentlemen’s Agreement. Ihr Plan war nun offensichtlich, Sascha in die Psychiatrie einzuliefern. Da dies die dritte Einlieferung in seinem Leben gewesen wäre, hätte er nach russischem Recht automatisch die Mündigkeit verloren, sein Vormund hätte Recht auf all seinen Besitz, so auch auf die Wohnung. So sollte also anscheinend wegen einer kleinen Wohnung die Zukunft eines Menschen zerstört werden. In einer offensichtlich recht aufregenden Western-Aktion hat Projektleiter Maxim Jegorow Sascha aus dem Wagen rausbekommen, und in den folgenden Wochen haben Maxim Jegorow und Maxim Muravyov Gesetzestexte gewälzt, Dokumente eingereicht und
schließlich das Kinderheim zum Einlenken bewegt. Sascha ist wieder in Rogatschowo (eine Weile hatten ihn Jegorows bei sich „versteckt“), geht zur Schule und hat vor lauter Schock sogar die Lust am Lernen
wieder entdeckt.
Sergey Vollständiger Name: Sergei Sergeevitch Soldatov
Geburtsdatum: 15.12.1997
Geburtsort (eigentlich auf der Strasse, jetzt aber per Geburtsurkunde): Stadt Dmitrov, Region Moskau
Eltern / Familie: Sergey ist Nadias Sohn, er hatte sein ganzes Leben bis zum Einzug in Rogatschowo 2002 gemeinsam mit seiner Mutter auf der Strasse und in verschiedenen häufig wechselnden Domizilen verbracht. Im ersten Halbjahr 2004 ist er in den Kindergarten gegangen. Der Kontakt mit gleichaltrigen Kindern hat ihm sehr gut getan, auch der Zwang, sich an eine gewisse Disziplin in der Gruppe zu halten. Im September wurde er eingeschult. Seine schulischen Leistungen variieren sehr stark, da er unter großen Konzentrationsproblemen leidet. Besonders die Privatlehrerin bemüht sich hier um Lösungen.
Eine offenbar positiven Einfluss hat der Einzug von Dima gehabt, der im gleichen Alter und ähnlich geltungsbedürftig wie Dima ist und ihm somit einen Teil seiner Rolle streitig macht. Die beiden spielen viel miteinander und vertragen sich gut.
Sitora Vollständiger Name: Sitora Rakhmonalieva Oeva
Geburtsdatum: 11.03.1991
Geburtsort: Dushanbe, Tadschikistan
Eltern / Familie: Sitora weiß nichts über ihren Vater (oder erzählt nichts), sie ist bei ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester aufgewachsen. Die Mutter ist Russischlehrerin, sie war in den vergangenen Jahren mehrfach mit Sitora in Moskau. Diese “Reisen” begannen etwa vor sechs Jahren, einige Verwandte lebten ebenfalls in Moskau, es gibt aber keinen regelmäßigen Kontakt. Sitoras Mutter arbeitete während ihrer Moskauaufenthalte als Toilettenfrau an einem Moskauer Bahnhof, an dem sie auch schläft.
Schule: Sitora hat die erste und dritte Klasse in Tadschikistan abgeschlossen. Sie ist sehr intelligent, spricht Tadschikisch, Russisch, und sie versteht Usbekisch.
Im Sommer kam es zu einer sehr problematischen Situation: Sitoras Mutter hatte Sitora für einige Zeit während der Sommerferien zu sich nehmen wollen. Sie hielt sich jedoch nicht an ihr Versprechen, Sitora rechtzeitig zum Beginn des Ferienlagers wieder zurückzubringen, sondern verschwand stattdessen mit ihr nach Duschanbe. Die Rückführung Sitoras erwies sich als äußerst kompliziert, da Sitora selbst noch keinen Pass besitzt (den gibt es erst mit 14 Jahren), Kinder unter 14 Jahren nach tadschikischem Gesetz nicht allein reisen dürfen und Sitoras Mutter wegen des Verlusts all ihrer Dokumente selbst nicht wieder ausreisen konnte. Nun galt es, eine Person zu bevollmächtigen, die Sitora begleiten könnte. Einige Phönix-Mitglieder konnten gute Kontakte in Duschanbe nutzen und so mehrere Optionen finden (u.a. Flugpersonal), doch Sitoras Mutter weigerte sich, ihre Tochter irgendjemandem außer Maxim Jegorow anzuvertrauen. Nach wochenlangem Hin und Her gelang es schließlich, sie davon zu überzeugen, dass auch Maxims Mutter als Begleitperson geeignet sei. Mit einer Privatspende wurde ein Flug nach Duschanbe organisiert, seit November ist Sitora wieder in Rogatschowo. In Duschanbe ist sie nicht zur Schule gegangen, nach Einschätzung Ortskundiger wäre sie in kürzester Zeit auf dem Strich gelandet. Daher sind wir sehr froh, dass Sitora nun wieder in der Phönix-Familie lebt, die Nachhilfelehrerin hat ihr bereits wieder zum Anschluss an die dritte Klasse verholfen. Nur aus dem geplanten Überspringen einer oder mehrerer Klassen ist so leider nichts geworden.
Sitora ist ein sehr freundliches und ruhiges Mädchen, sie hilft viel im Haushalt und ist eine gute Freundin für Jana geworden (nach Sitoras langer Abwesenheit mochten sich die beiden gar nicht mehr aus den Augen lassen). Sie ist sehr wissbegierig, tanzt und singt mit großem Vergnügen.
Die zweite Haushälfte:
Lange Zeit schien es zu einer unendlichen Geschichte zu werden, doch 2004 ist sie nun doch zu einem Abschluss gekommen: Die zweite Haushälfte ist nun endgültig an Phönix verkauft worden. Als Phoenix 2002 in die erste Haushälfte in Rogatschowo eingezogen war, war schnell der Plan entstanden, die zweite Haushälfte ebenfalls zu erwerben (der Schweizer „Russki Club“ spendete hierfür das Geld), um mehr Platz für mehr Kinder zu haben und eine größere Gartenfläche bebauen zu können. Der Besitzer der zweiten Haushälfte, der diese nur einige Male pro Monat zum Trinken nutzte, war einverstanden, allerdings zögerte sich alles immer wieder hinaus, da der Besitzer immer wieder für mehrere Wochen in Entzugsanstalten verschwand. Da er alle Papiere persönlich unterzeichnen musste, bedeutete dies immer wieder eine weitere Wartefrist. Dann stellte sich heraus, dass der alte Grundstücksplan von irgendjemandem vor Jahren gefälscht worden war, so musste nun alles offiziell neu vermessen werden, dies bedeutete eine weitere Verzögerung. Viele weitere verwirrende bürokratische Schritte folgten, doch sie sind nun abgeschlossen.
Die zweite Haushälfte ebenso wie große Teile der ersten Hälfte, des Schuppens und beide Veranden befinden sich in einem beklagenswerten Zustand und bedürfen somit dringen einer Renovierung. Bewohnbar ist die zweite Haushälfte in ihrem jetzigen Zustand auf keinen Fall, Teile des Fundaments und große Teile des Fußbodens müssen ausgebessert oder ersetzt werden. Außerdem bietet die Tatsache, dass uns beide Haushälften gehören, die Möglichkeit, das erste Stockwerk zu einem großen Gemeinschaftsraum auszubauen.
Konkret soll mit einer Renovierung erreicht werden, dass:
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Mädchen, Jungen und Erwachsene jeweils in getrennten Zimmern schlafen; |
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das Obergeschoss nutzbar gemacht wird; |
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die beiden Veranden zu mehr als nur zum Lagern von Lebensmitteln genutzt werden können; |
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der Stall / Schober für Tierhaltung und Aufbewahrung z.B. von Heu genutzt werden kann; |
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eine direkte Warm- und Kaltwasserversorgung und Kanalisation in das Haus gelegt wird; |
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ein Badezimmer eingerichtet wird; |
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die Toilette verbessert wird (Abfluss in einen Container, der regelmäßig geleert würde). |
Sobald für diese Renovierungspläne verlässliche Angebote vorliegen, werden wir Ihnen davon berichten. Bisher ist erst sehr wenig Geld (1000 € auf dem Benefizkonzert, s.u.) für die Renovierung gesammelt worden. Der vorläufige Plan ist, die Renovierung in den Sommermonaten 2005 durchzuführen, so dass spätestens ab Herbst 2005 beide Haushälften genutzt werden können. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es weniger sinnvoll wäre, eine komplette zweite Familie in die zweite Haushälfte einziehen zu lassen. Der wenige Platz würde potentiell zu vielen Konflikten führen. Es erscheint sinnvoller, die Anzahl der Bewohner bei der aktuellen zu belassen und ihren Lebensraum zu erweitern, v.a. um einen Gemeinschaftsraum außerhalb des Schlafzimmers und eine Rückzugsmöglichkeit für die Erwachsenen.
Gemeinschaftliches Aufräumen und Renovieren:
Anfang Oktober 2004 bekam die Phönix-Familie Besuch von einem ganzen Trupp engagierter Helfer: Eine Gruppe tatkräftiger Männer, organisiert durch Pastor Amling von der evangelischen Gemeindegruppe in Moskau, hatte sich zusammengefunden, um in Rogatschowo einen
so genannten „Subbotnik“ durchzuführen, einen Arbeitssamstag.
Es gab viele Pläne, und vieles wurde geschafft, um Haus und Land auf den Winter vorzubereiten. Vor allem wurden folgende Arbeiten erfolgreich abgeschlossen, mit tatkräftiger Unterstützung v.a. auch der Phönix-Kinder:
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die 2. Haushälfte ist mit Balken fachmännisch abgestützt worden (es bestand die Gefahr, dass Veranda und Stall zu sehr an ihr ziehen und so nach und nach zum Einsturz bringen könnten); |
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ebenfalls in der 2. Haushälfte wurde ein Lagerraum für Kartoffeln und Konserven eingerichtet durch Wände und Regalabstützungen sowie Bodenisolierung; |
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alle Fenster in der 2. Haushälfte wurden zugenagelt, um über den Winter Kälte und ungebetene Gäste fernzuhalten (der größte Teil der Fenster war bereits vorher von anderen Helfern zugenagelt worden); |
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die zweite Haushälfte wurde entrümpelt; |
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die Laube im Garten wurde vollständig mit Wellblech gedeckt; |
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die Schaukeln wurden entrostet und neu gestrichen, so dass auch sie den Winter gut überstehen sollten; |
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der Zaun ist komplett gestrichen (liebste Tätigkeit der Kinder!); |
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alle bereits heruntergefallenen Äpfel sind eingesammelt, im Anschluss an den Subbotnik wurden sie sortiert und v.a. als Futter für die Ziegen und Kaninchen verwendet, die guten natürlich auch als vitaminreiches Essen für die Hausbewohner; |
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der Garten wurde umgegraben |
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in der Küche wurden die Wände abgeklopft, mit zugeschnittenen Platten (Orgalit) versehen; im Anschluss an den Subbotnik wurde hier noch eine Tapete aufgeklebt und gestrichen, die Decke wurde mit Wölkchen und in hellen Farben gestrichen und v.a. Janas Mutter sorgte noch für die weitere künstlerische Ausgestaltung des Raums, während Marc-Christian Haas gemeinsam mit Sascha eine Anrichte zimmerte und so für eine deutlich besseren Platznutzung der Küche gesorgt hat; |
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der Ofen ist weitestgehend in Gang gebracht |
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der Computer im Haus sowie zahlreiche gespendete Computer für die Schule wurden von zwei Computerspezialisten installiert – laut Maxim Jegorow ist Phönix so die Unterstützung der Schule für lange Zeit sicher... |
Sommerreise:
Im Sommer war es Dank der Unterstützung von United Way möglich, alle Kinder, begleitet von Oxana und Olga Jegorowa, für zwei Wochen an das Schwarze Meer zu schicken. Sie haben dort ihren ersten wirklichen Urlaub verbracht, die meisten von ihnen waren zum ersten Mal in ihrem Leben am Meer. Die Begeisterung nach diesem Urlaub war groß, alle hoffen schon auf ein ähnliches Ereignis im kommenden Sommer. 2004 war die Entscheidung gefallen, Elena und Nadia nicht mit ans Meer zu schicken, um so den beiden Frauen zu etwas Erholung von den Kindern zu verhelfen. Sollte es dieses Jahr wieder möglich sein, einen Urlaub zu organisieren, muss neu darüber nachgedacht werden, was mit den beiden Erwachsenen unternommen werden soll, damit sie sich selbst auch erholen, sich aber nicht übergangen vorkommen.
Suppenküche
Zu Beginn des Phoenix-Projektes hatte es eine enge Zusammenarbeit mit einer anderen Organisation gegeben, die eine tägliche Suppenküche organisierte. Leider wurde die Zusammenarbeit aus diversen Gründen nicht fortgesetzt, sie endete 2002.
Schon bald merkten wir, dass Suppenküchen nicht nur sowieso eine sehr sinnvolle Einrichtung sind, sondern sie außerdem auch eine für das Phönix-Projekt notwendige Verbindung zu den Obdachlosen bilden. So begannen Diskussionen über die Gründung einer neuen Suppenküche, und als mit Hilfe der “Deutsch-Russischen Gesellschaft Kraichgau e.V.” ein regelmäßiger Sponsor gefunden wurde, fiel die Entscheidung, eine tägliche Essensausgabe in einem kleinen Parkstück am Kursker Bahnhof zu organisieren.
Die hauptsächlichen Ziele dieses Projektes sind:
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Obdachlose täglich, also regelmäßig, mit warmem Essen zu versorgen; |
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Kontakt zur „Welt der Obdachlosen“ zu halten, also nicht den Kontakt zu der Umgebung zu verlieren, aus der die Kinder in Rogatschowo kommen; |
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Besonders mit obdachlosen Kindern in Kontakt zu bleiben, Aktivitäten für sie zu organisieren, solange sie noch auf der Strasse leben, und sie außerdem besser kennen zu lernen, um schnell reagieren zu können, wenn weitere Wohnplätze eingerichtet werden. |
Die Suppenküche hat im Juni 2003 ihre Arbeit aufgenommen. Täglich ab 12 Uhr können Obdachlose am Kursker Bahnhof nun eine warme Mahlzeit, ein Stück Brot und einen heißen Tee bekommen. Das Essen wird von einer Privatfirma in der Kantine des Moskauer Schiedsgerichts gekocht, die Köche verdienen sich so zu ihrem geringen Gehalt etwas hinzu.
Die wichtigsten Tätigkeitsbereiche der Suppenküche sind:
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die Essensausgabe; eine Mahlzeit besteht aus einem Becher Tee, ein paar Stück Brot und einem warmen Gericht (meist Brei aus Hafer, Reis oder Buchweizen) |
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in unregelmäßigen Abständen werden Altkleider an die Obdachlosen verteilt, die Phönix von verschiedenen Organisationen und Privatpersonen gespendet bekommt; |
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ebenfalls in unregelmäßigen Abständen finden Banja-Besuche für obdachlose Kinder statt unter Begleitung eines Phönix-Mitarbeiters (zur gründlichen Säuberung); |
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ebenfalls für die obdachlosen Kinder werden kulturelle Aktivitäten organisiert, an denen diese mit Begeisterung teilnehmen. Hierzu gehören Besuche des Puppentheaters (hier haben Phönix-Mitarbeiter vergünstigte Eintrittskarten herausgehandelt), des Moskauer Zoos (der Eintritt ist für unsere Gruppen kostenlos) oder in den Zirkus. |
Noch auszubauen sind folgende Pläne:
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Unterricht (wahrscheinlich in Lesen, Schreiben, Mathe, Musik) für obdachlose Kinder; |
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Juristische Fragen sammeln, die bei den Obdachlosen auftauchen, und nach Möglichkeit helfen. |
Im vergangenen Jahr hat die Suppenküche bereits in einigen Fällen helfen können.
Besonders hervorzuheben sind zwei Beispiele:
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der achtjährige nierenkranke Dima kam regelmäßig mit seiner Mutter zur Suppenküche, er wurde im Familienhaus aufgenommen (s.o.) |
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Projektleiter Maxim Jegorow lernte die Usbekische Flüchtlingsfrau Malokhat kennen, die mit ihrer vier Monate alten Tochter auf der öffentlichen Toilette einer Metrostation lebte. Als die russische Tageszeitung ‘Moskovski komsomolec’ einen Artikel über die Suppenküche schrieb, machte sie diese Kleinfamilie zu einem Beispiel für das Schicksal der Obdachlosen in Moskau. Es folgten Kleider- und Geldspenden der Leser. Und Vater Arkadi, ein russisch-orthodoxer Priester, der Phönix immer wieder hilft, hat Mutter und Kind zu einer Unterkunft im Dorf ganz in der Nähe seiner Kirche geholfen. So ist es in dieser Geschichte zu einem kleinen Wunder gekommen, Malokhat und ihre Tochter haben wieder eine Zukunft. |
Veranstaltungen
Am 23. November konnte in der Deutschen Botschaft Moskau ein Wohltätigkeitskonzert für Phönix veranstaltet werden.
Hauptperson war der Bass Michail Charitonow, der mit einem Programm russischer Romanzen auftrat. Er fühlt sich dem Schicksal der Kinder in Rogatschowo eng verbunden, denn er musste selbst ohne Eltern aufwachsen. Das Konzert wurde von Dorothea Volkert initiiert und
maßgeblich durch die evangelische Gemeindegruppe und die Kulturabteilung der deutschen Botschaft in Moskau unterstützt.
Wir hoffen, durch diese Veranstaltung einige mögliche Multiplikatoren auf die
Arbeit von Phönix aufmerksam gemacht zu haben.
Mit tatkräftiger Unterstützung von Frau Judith Jung sowie weiteren Lehrern und der evangelischen Gemeindegruppe wurde auf dem Weihnachtsbasar der deutschen Schule in Moskau äußerst erfolgreich für Phönix gesammelt!
Mitarbeiter und Unterstützer
In Russland ist Maxim Jegorow Projektmanager und Hauptperson des Projekts. Er besucht das Haus in Rogatschowo mehrmals in der Woche, er hat alle Dokumente organisiert, führt laufend Verhandlungen mit den relevanten Behörden. Außerdem ist er hauptverantwortlich für die Suppenküche.
Für mehrere Monate war Andrea Seifert, Studentin der Sozialpädagogik, als Praktikantin in Rogatschowo. Sie hat sehr erfolgreich mit den Kindern gearbeitet und uns in vielen Aspekten zu einem neuen Blick auf die Arbeit in Rogatschowo verholfen. Die Kinder haben die Zeit mit Andrea sehr genossen und hoffen auf eine Rückkehr.
Olga Jegorowa (Maxims Mutter) kümmert sich um die Buchhaltung, außerdem verbringt sie einen großen Teil ihrer Freizeit in Rogatschowo.
Oxana Jegorowa (Maxims Schwester) macht ein Fernstudium und muss daher nur an den Samstagen in die Uni. An den meisten anderen Tagen ist sie als Erzieherin in Rogatschowo tätig, hilft den Kindern mit den Hausaufgaben, spielt mit ihnen, liest und schreibt. Sie bleibt auch häufig über Nacht und bringt die Kinder mit Gute-Nacht-Geschichten ins Bett. Im vergangenen Jahr hat sie außerdem mehrere kleine Theaterstücke und viele Lieder mit den Kindern eingeübt, die diese voller Begeisterung aufführen.
Karsten Packeiser aus Deutschland (im Hauptberuf Journalist) hilft ehrenamtlich. Er besucht Suppenküche sowie Familienhaus, um sich dort immer wieder persönliche Eindrücke vor Ort zu verschaffen. Er ist Koordinator für ausländische Partner von Phönix, außerdem hat er begonnen, sich um die Phoenix-Homepage zu kümmern.
Marc-Christian Haas ist deutscher Zivildienstleistender in Moskau. Er hatte früher bereits in Weißrussland in Projekten mit obdachlosen Kindern mitgearbeitet und bringt nun sein Engagement und seine Erfahrung ehrenamtlich bei Phönix ein.
Dagmar Sonderegger (geb. Köck) aus Deutschland (bis Dezember 2004 bei einer Marktforschungsagentur in Moskau tätig) hilft nach ihrem Wegzug aus Russland nun von der Schweiz aus ehrenamtlich mit. Sie kümmert sich um die Finanzen, hilft mit Berichterstellungen und besuchte bislang Rogatschowo ein- bis zweimal im Monat. Gemeinsam mit ihrem Mann will sie ein Unterstützernetz in der Schweiz aufzubauen.
Maxim Murawjow kümmert sich vor allem um Fundraising sowie um die erwähnten Freizeitaktivitäten mit obdachlosen Kindern. Er studiert Jura und ist dabei, eine juristische Beratung bei der Suppenküche zu organisieren (zunächst wird er hier Informationen über die juristischen Probleme und Fragen der Obdachlosen sammeln, um diese dann mit Hilfe von Juristen zu bearbeiten).
Die größte Hilfe, die die Arbeit von Phoenix überhaupt möglich macht, kommt von der „Deutsch-Russischen Gesellschaft Kraichgau“, vertreten durch die 1. Vorsitzende Dorothea Volkert. Dorothea Volkert besucht regelmäßig das Projekt und leistet tatkräftige Unterstützung.
Weitere finanzielle Unterstützung sowie Kleiderspenden erreichen uns von engagierten Personen und Organisationen aus Russland, Deutschland, England und der Schweiz. Die deutsche Expat-Gemeinde und ganz besonders die evangelische Gemeindegruppe haben sich aktiv in die Arbeit von Phönix eingebracht, wir hoffen hier auf eine weitere fruchtvolle Kooperation. Die Ausgaben für Privatlehrer, Psychologen, Schulmaterialien und Erstellung von Dokumenten für die Kinder werden von der englischen Wohltätigkeitsorganisation ARC (Action for Russian Children) getragen. Elena Radchenko aus Moskau (ausgebildete Psychologin, tätig in der Marktforschung) ist ehrenamtlich für Phönix tätig, sie besucht häufig das Haus in Rogatschowo und ist Phönix-Koordinatorin bei ARC. Die englische Organisation CICF (Contact International Christian Fellowship) leistet regelmäßige Unterstützung, finanziell und mit Geschenken (z.B. selbst gestrickte Winterkleidung). Außerdem hat CICF Geld für den Bau einer Banja in Rogatschowo gesammelt.
Die Doris-Epple-Stiftung ist Hauptsponsor der Suppenküche. Die Moskauer Vertretung der Amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation „United Way“ gehört ebenfalls seit 2004 zu den regelmäßigen, wichtigen Förderern von Phönix.
Antworten auf mehrere Förderanträge stehen noch aus.
VIELEN DANK Ihnen / Euch allen im Namen von Phoenix für die viele Unterstützung im Laufe des letzten Jahres!
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