Liebe Freunde,
ich komme gerade aus Dmitrow/Rogatschowo zurueck. Wir haben dort
eine
Unterschriften-Sammlung begonnen. Die Klassenlehrerin der 4. Klasse,
die schon im Fernsehen wunderbar aufgetreten war, hat das teilweise
in
ihre Hand genommen haben. Die Bewohner eines ganzen Wohnblocks
sollen
ohne Ausnahme unterschrieben haben. Unterschriftenlisten liegen in
allen Geschaeften aus, am Zaun des Phoenix-Hauses prangt ein
riesiges
Plakat: Helft den Kindern, nach Hause zurueckzukommen.
Gestern war Fedjas Mutter zu Besuch im Prijut. Weil der angekuendigt
war, wartete schon ein Polizist auf sie der sie verhoeren wollte und
ein Protokoll aufsetzte. Bei der Befragung versuchte er sie dazu zu
bewegen, zu erklaeren, dass sie Maxim Geld zahlen muss, damit Fedja
in
Rogatschowo leben darf. Ausserdem versuchte er, sie davon zu
ueberzeugen, dass es im staatlichen Prijut viel besser ist als bei
Phoenix. "Schauen Sie, wie schoen das hier ist, weisse Waende, viel
Platz, Wasser aus dem Wasserhahn und komfortable WCs. Irgendwann
erklaerte Fedjas Mutter mit ihrem gebrochenen Russisch, sie werde
jetzt das Gespraech abbrechen, denn ihr sei schlecht. Aus der
Prijut-Kueche stinke es nach vergammeltem Fleisch.
Sulfija ist zwar eine einfache Frau, die Toiletten saubermacht,
lebt illegal in Russland - aber sie hat ihre Wuerde bewahrt. Sie hat
uns versichert, sie habe in ihrem Leben schon alles durchgemacht,
wovor man Angst haben koennte und fuerchtet nichts mehr.
Heute morgen durften die Kinder, die in Dmitrow sind, kurz mit
Rogatschowo telefonieren. Ich habe Jana gesagt, dass wir sie
rausholen. Als sie dann von Lena (der Mutter von Jana und Sergej) hoerten, dass Dorothea
schon im Anflug ist, schrieen alle laut hurra! und dann wurde die
Leitung unterbrochen. ...............