Social-Times.DE Samstag, 08.04.2006
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Behörden gehen gegen Straßenkinderverein vor
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Frankfurt a.M. (epd). Die Arbeit des russisch-deutschen Straßenkindervereins
«Phoenix» ist nach einer Intervention der russischen Behörden gefährdet. Das mit
deutschen Hilfsgeldern aufgebaute Kinderheim nahe Moskau sei Mitte Dezember
geräumt worden, berichtete die Mitbegründerin des Vereins Dorothea Volkert. Das
russische Parlament hatte im Dezember eine deutlich stärker Kontrolle von
ausländischen NGOs beschlossen.
Die 16 Kinder seien auf staatliche Heime verteilt worden, teilte Dorothea
Volkert weiter mit. Der Verein will sich nun vor Gericht gegen das Vorgehen der
Behörden
zur Wehr setzen.
Bei der Räumungsaktion seien einige Kinder von den Behördenvertretern
und bewaffneten Polizisten aus den Betten gezerrt worden, berichtete
Volkert, die Mitbegründerin des Kinderheims ist. Die Behörden hätten
die Aktion mit einer nicht näher definierten «Gefahr für Leib und
Leben» der Kinder sowie schlechten hygienischen Bedingungen
begründet.
Die Deutsch-Russische Gesellschaft Kraichgau (Baden-Württemberg) ist
Hauptunterstützer des ««Phoenix»-Heims. Der Verein hatte 2001 in
Rogatschowo 70 Kilometer nördlich von Moskau ein Grundstück mit einem
Holzhaus erworben, in dem verwahrloste und zuvor obdachlose Kinder
ein neues Zuhause fanden. Im Mai soll ein Neubau auf dem Grundstück
fertig gestellt werden, in das die Kinder mit zwei Pflegemüttern
einziehen sollen.
Durch die Aktion der örtlichen Behörden ist die Zukunft des Projekts
nun allerdings offen. Der Verein will vor Gericht durchsetzen, dass
die Kinder in das Heim zurückkehren können. Dorothea Volkert rechnet
jedoch mit einem langwierigen Rechtsstreit. «Die Kinder hatten gerade
Vertrauen gefasst, um so schlimmer ist das Eingreifen der Behörden»,
sagt die Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft Kraichgau.
Nach Angaben des russischen Bildungsministeriums gibt es in Russland
derzeit 760.000 Waisen und zusätzlich 600.000 verwahrloste Kinder,
die nur noch auf dem Papier von ihren Eltern erzogen werden. Die
vielerorts unmenschlichen Zustände in den staatlichen Heimen führen
dazu, dass viele Kinder regelmäßig von dort weglaufen. Alleine in
Moskau leben Schätzungen zufolge 50.000 Kinder auf der Straße.
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