Lagebericht 2006 des “Zentrums für humanitäre Hilfe Phönix“

 

Erstellungsdatum: Januar 2007

 

Das Jahr 2006 ging so weiter, wie 2005 aufgehört hatte: mit Rechtsstreitigkeiten, Kampf um einzelne Kinder, Konflikten mit Behörden, viel positiver Unterstützung durch die Bevölkerung in Rogatschowo und Sponsoren, Erfolgen und Problemen rund um den Hausbau. Alles in allem lässt sich sagen, dass sich die ganzen Probleme einerseits als langwieriger und schwieriger erwiesen haben, als wir dies zu Beginn erwartet hätten, dass wir aber andererseits am Ende des Jahres 2006 immerhin eine deutlich positive Entwicklung feststellen können, die auf ein Jahr 2007 hoffen lässt, in dem sich Phönix wieder mehr auf seine eigentliche „Arbeit“ konzentrieren kann, nämlich die Betreuung von Kindern im Familienhaus und die regelmässige Durchführung der Suppenküche.

Im ersten Teil des Berichts werden wir Ihnen wieder vom Ablauf des Jahres 2006 und der Entwicklung der einzelnen Kinder berichten, im zweiten Teil gehen wir auf die rechtliche Situation ein, im dritten Abschnitt vermitteln wir Ihnen einen Überblick über die aktuelle Situation und beim Hausbau und abschließend möchten wir Ihnen noch einen Überblick über die Arbeit der Suppenküche geben.

Da erfreulicherweise auch dieses Jahr wieder neue Unterstützer zu Phönix gestoßen sind, werden wir v.a. bei den Charakteristika der einzelnen Phönix-Kinder, aber zum Teil auch in anderen Abschnitten Rückblicke einschließen, die für diejenigen von Ihnen, die Phönix bereits seit längerer Zeit begleiten, bekannt sein dürften.

 

I. Familienhaus – Die Bewohner und ihre Entwicklung

 

Im Folgenden möchten wir einen Überblick über die Biographie der Phönix-Kinder (auch der seit Dezember 2005 in staatlichen Heimen untergebrachten Kinder) sowie der Erwachsenen im Familienhaus geben.

2006 lebten zwei Hausmütter in Rogatschow. Da sie beide Elena heißen, werden wir sie der Einfachheit halber Elena und Lena nennen.

 Sommer 2005: Elena I. mit Katja und der Nachbarin                 

Elena Istomina ist Mitte 30, sie hat am 21. Januar Geburtstag. Sie hat einen großen Teil ihres Lebens auf der Straße verbracht und nach Jahren der Obdachlosigkeit in Rogatschowo erstmals wieder eine feste Bleibe gefunden. Elena hat keine eigenen Kinder, hat aber ein sehr gutes Verhältnis zu den Kindern von Phönix aufgebaut, begleitet sie zur Schule, zu Arztbesuchen, und ist für alle weiteren Fahrten, die mit den Kindern unternommen werden müssen, zuständig. Teilweise wird sie dabei auch weiterhin von Oxana Jegorowa, der Schwester des Projektleiters (s.u.), unterstützt. Im Haus trägt Elena I. v.a. die Verantwortung für Putzarbeiten, Garten und die Wäsche.

 

 

         Lena K. und ihre Kinder, August 2005

Elena Kusminych, im weiteren Lena, ist die Mutter der Phönix-Kinder Jana und Sergej K. Sie hatte bereits in den vergangenen Jahren immer wieder wochenweise bei Phönix gelebt und die Arbeit unterstützt, wenn sie in Moskau jeweils keine Bleibe hatte.

Im Sommer 2005 fällte sie schließlich den Entschluss, dem ungeregelten Leben zwischen Straße und temporären Unterkünften den Rücken zu kehren und zu ihrer Tochter nach Rogatschowo zu ziehen. Was zunächst als Übergangslösung geplant war, erwies sich im weiteren Verlauf als gute langfristige Lösung, denn Lena ist ausgebildete Grundschulpädagogin und kann somit sehr gut und qualifiziert etliche Aufgaben im Bereich der Kinderbetreuung wahrnehmen.

Zunächst lebte nur ihre Tochter Jana bei Phönix, nach dem Tod des Vaters holte Lena ihren Sohn, der beim Vater gelebt hatte und nach dessen Tod in einem staatlichen Heim untergebracht werden sollte, im Sommer 2005 ins Phönixhaus, so dass die 3-köpfige Familie nun vollständig in Rogatschowo untergebracht ist.

 


1.) Andrej B.

 

 

Andrej mit Dorothea Volkert, Sommer 2006

Vollständiger Name: Andrej Iwanowitsch Burta

Geburtsdatum auf Geburtsurkunde: 25.08.1991

Geburtsort auf Geburtsurkunde: Stadt Dmitrow, Region Moskau

Bei Phönix seit: Frühjahr 2002

Eltern / Familie: Tatsächlich ist Andrej in Chisinau (Moldawien) geboren, seine Eltern leben wahrscheinlich nach wie vor dort, es gibt auch einen Bruder und eine Schwester, es ist allerdings nicht bekannt, wo sich diese befinden.

Geschichte: Seine Eltern haben ihn geschlagen, er lebte zusammen mit dem Vieh im Stall und wäre fast verhungert. Seine Mutter nahm ihn vor etlichen Jahren per Zug mit nach Moskau, und am Bahnhof sagte ihm, er solle auf sie warten, sie müsse nur kurz weggehen. Danach kam sie nie mehr zurück.

Später lernte Andrej Maxim K. (s.u.) in einem Kinderheim kennen, die beiden liefen auch mehrfach gemeinsam aus ihrem Kinderheim fort und lebten gemeinsam auf der Straße.

Schule: Andrej besuchte anscheinend zwei Klassen in Moldawien. 2003 hatte er noch Schreib- und Leseprobleme, auch Sprechen war recht schwierig, da Russisch nicht seine Muttersprache ist. Dies hat sich wesentlich verbessert, er hat in den dreieinhalb Jahren, die er die Schule in Rogatschowo besuchte, viel dazugelernt und sich auch 2005 weiter verbessert. Nach seiner Unterbringung im staatlichen Heim Nr.70 in Moskau beendete er dort die Sonderschule und konnte eine Ausbildung beginnen.

Jetziger Aufenthaltsort: Im Zuge der Ereignisse Anfang des Jahres 2006 wurden Andrej B. und Maxim K. in das Kinderheim Nr. 70 in Moskau eingewiesen – das letzte, in dem sie vor ihrer Phönix-Zeit gelebt hatten. Die Leiterin erwies sich glücklicherweise als sehr engagiert und kollegial. Zunächst erlaubte sie Andrej und Maxim sogar, wieder nach Rogatschowo zurückzukehren, wurde jedoch nach einiger Zeit von ihren Vorgesetzten zurückgepfiffen. So lebten beide Jungen von Januar bis zum Sommer 2006 im Kinderheim. Mit Beginn des neuen Schuljahres bekam Andrej, der mittlerweile 16 Jahre alt ist, die Chance, in eine betreute Jugendwohnung zu ziehen und eine Ausbildung als Maler und Lackierer zu beginnen. Die Wochenenden verbringt er in Rogatschowo.

Ausbildung: Es war immer klar gewesen, dass Andrej keine vollständige Schulausbildung von neuen Jahren würde abschließen können, unter anderem wegen seines Alters – er besuchte zuletzt die vierte Klasse und war dort ca. sechs Jahre älter als seine Klassenkameraden. Dennoch hatte er sich die meiste Zeit über sehr angestrengt und seine Leistungen immer mehr verbessert. Es war schon lange deutlich, dass Andrejs die handwerkliche Arbeit liegt und gefällt. So ist es ein Glücksfall, dass er mit Hilfe der Leiterin des Moskauer Kinderheims nun eine staatliche Ausbildung zum Maler und Lackierer aufnehmen konnte. Phönix unterstützt ihn hierbei weiterhin.

Freizeitbeschäftigungen: Andrej hatte in Rogatschowo begonnen, mit Begeisterung Fussball zu spielen. Er nahm mit den anderen größeren Phönix-Jungen im Herbst 2006 an den internationalen Fußballturnieren im Norden von Moskau teil, die jeweils an den Samstagen im Herbst stattfinden und vom Verlag Independent Media für (Diplomaten- ) Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen organisiert werden.

 

2.) Andrej S.

 

 Andrej, September 2005

Vollständiger Name: Andrej Michailowitsch Sinitschkin

Geburtsdatum: 27. April 2003

Geburtsort: Domodedowo, Gebiet Moskau

Bei Phönix seit: Frühjahr 2005

Familie / Geschichte: Andrej kam gemeinsam mit seinen Geschwistern Anja, Nikita, Vera und Ljuba zu Phönix. Sein kurzes Leben vor Phönix hatte Andrej gemeinsam mit der Mutter und insgesamt vier Geschwisterkindern auf der Straße verbracht. ).Seine Mutter ist Georgierin, der Vater Russe, bisher wurden weder die Kinder noch die Mutter Opfer der anti-georgischen Hysterie in Russland.

Jetziger Aufenthaltsort: in einem staatlichen Kinderheim in der Stadt Domodedowo südlich von Moskau. Eine Rückkehr zu Phönix kann nicht ausgeschlossen werden

 

3.) Anja

 

Anja, September 2005

Vollständiger Name: Anna Michailowna Sinitschkina

Geburtsdatum: 17. Juli 1998

Geburtsort: Domodedowo, Gebiet Moskau

Bei Phönix seit: Frühjahr 2005

Familie / Geschichte: Anja kam im Juni 2005 über die Suppenküche ins Phönix-Haus. Sie hat noch fünf Geschwister, vier davon waren mit ihr zusammen ins Phönix-Haus gekommen (Nikita und Andrej, Vera und Ljuba). Ihre Mutter ist Georgierin, der Vater Russe.

Schule: Im September 2005 wurde Anja eingeschult. Sie war sehr gespannt und voller Vorfreude auf diesen Tag und ging voller Stolz zur Einschulungsfeier. Anja machte sich sehr gut in der ersten Klasse, wie ihre Schulleistungen zurzeit sind, wissen wir nicht.

Freizeit / Hobbys: Anja kümmert sich gerne um ihre kleineren Geschwister.

Jetziger Aufenthaltsort: in einem staatlichen Kinderheim in der Stadt Domodedowo südlich von Moskau. Eine Rückkehr zu Phönix kann nicht ausgeschlossen werden.

 

4.) Dima

 

 Dima, Sommer 2005

Vollständiger Name: Dmitri Wiktorowitsch Kokowuschkin

Geburtsdatum: 26. April 1996

Geburtsort: Wladimir

Bei Phönix seit: November 2004

Eltern / Familie und Geschichte: Dima lebte mit seiner Mutter zusammen in Moskau, bis starke Nierenprobleme bei ihm diagnostiziert wurden. Der Arzt empfahl seiner Mutter, aufs Land zu ziehen, da sie dort die Gesundheitsprobleme ihres Sohnes besser in den Griff bekommen würde. Sie befolgte diesen Rat, verkaufte ihre Wohnung in Moskau und erwarb stattdessen ein kleines Haus auf dem Land. Doch das von ihr erworbene Haus brannte schon nach kurzer Zeit ab. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt, die Folge war jedenfalls, dass sie nun keine Wohnstätte mehr hatte. Die Behörden verwiesen sie immer weiter, lehnten alle Anträge ab und trieben sie so auf die Straße. Mutter und Sohn begannen ihr Leben auf der Straße, die Gesundheit Dimas verschlechterte sich dramatisch. Sie wurden zu regelmässigen Gästen der Suppenküche, und im November 2004 fiel der Entschluss, den kranken Dima in Rogatschowo aufzunehmen.

Schule: Dima hatte bis 2005 wegen seiner Entwicklungsverzögerung keine Schule besucht, da der Prozess seiner Einweisung in eine Sonderschule sich in die Länge zog.

Jetziger Aufenthaltsort: Dima lebt derzeit in einem Heim für behinderte Kinder in der Nähe von Dmitrow namens „Birkenwäldchen“. Das Dmitrower Jugendamt wollte den Jungen eigentlich in ein Heim in dessen Geburtsort verlegen lassen, dort wollte ihn jedoch niemand aufnehmen. Eine Rückkehr zu Phönix scheint leider eher unwahrscheinlich.

 

Fedja

 

Fedja, Februar 2006

Vollständiger Name: Fakhrydin Markamovich Faiziev, Rufname: Fedja

Geburtsdatum: 25.01.1993

Geburtsort: Tadschikistan

Bei Phönix seit: Sommer 2003

Eltern / Familie: Fedjas Mutter arbeitet als Putzfrau an einem Moskauer Bahnhof, sein Vater wurde vor einigen Jahren ermordet. Fedja spricht nach wie vor nicht darüber, aber ausgehend von Informationen, die wir von seiner Mutter erhalten haben, war er Zeuge dieses Mordes. Nach ihrer Einschätzung ist er etwa seit dieser Zeit halbseitig teilweise gelähmt. Zwei seiner Brüder sind bei der tadschikischen Armee, ein weiterer ist angeblich ebenfalls in Moskau.

Geschichte: Fedja und seine Mutter haben Tadschikistan nach dem Mord an Fedjas Vater verlassen, um sich dem Bruder in Moskau anzuschließen. Hier muss irgendetwas schief gelaufen sein, denn letztlich landeten sie auf der Straße. Sie begannen, zur Suppenküche von Phönix zu kommen, hier hörten sie von dem Familienhaus, und schließlich fragte Fedjas Mutter, ob ihr Sohn dort aufgenommen werden könnte. Sie besucht ihn regelmäßig und telefoniert häufig mit Fedja. Die beiden haben ein gutes Verhältnis, Fedjas Mutter musste mit der Zeit einsehen, dass es ihr nicht gelingen würde, ihrem Sohn eine Zukunft in Moskau zu sichern, da sie selbst keinen gesicherten Aufenthaltsstatus für Moskau hat und außerdem wegen einer körperlichen Behinderung (ein Fuß ist falsch herum angewachsen) kaum die Möglichkeit hat, eine gute und offizielle Arbeit zu bekommen.

Schule: Fedja hatte in Tadschikistan zwei Klassen abgeschlossen und die dritte begonnen. Unterrichtssprache war Tadschikisch, außerdem spricht er fließend Russisch. Er macht sich gut in der Schule. Seit seiner Rückkehr zu Phönix erhält er gemeinsam mit den anderen zurückgekehrten Kindern Privatunterricht und ist mit großem Engagement bei der Sache. Im Mai wurde gerichtlich verfügt, dass er wieder in die örtliche Schule in Rogatschowo gehen darf.

Gesundheit: Gesundheitlich ist Fedja unser größtes Sorgenkind. Seit 2004 litt er an epilepsieartigen Anfällen, außerdem wachsen seine zweiten Zähne nach wie vor nicht nach, und auch die halbseitige Lähmung zeigt keine deutliche Besserung.

Im Laufe des Jahres 2005 wurden mehrere Untersuchungen von Spezialisten in Moskauer Kliniken durchgeführt, inklusive Computertomographie. Die Bilder der Computertomographie, auf denen klar eine Geschwulst im Gehirn zu erkennen ist, wurden außerdem von Professor Dr. Dietz Rating, dem ärztlichen Direktor der Kinderneurologie und des Epilepsiezentrums am Heidelberer Universitätsklinkum begutachtet.

Unter den Ärzten haben sich parallel zwei Theorien gebildet: Entweder das Geschwulst besteht bereits seit Fedjas Geburt, oder es ist später durch einen Sturz oder schweren Schlag auf den Kopf entstanden. In beiden Fällen sind sich die Experten einig, dass das Geschwulst auf Nerven drückt und es hierdurch zu der teilweisen Lähmung und den Anfällen kommt. Unterschiedliche Meinungen bestehen jedoch wiederum hinsichtlich der Behandlung: während die einen die Meinung vertreten, es müsse operiert werden, ist die mehrheitliche Ansicht, eine Behandlung mit Epilepsiemedikamenten könnte die Anfälle unterdrücken und eine schrittweise Genesung der motorischen Funktionen herbeiführen können – eine Operation wäre dieser Ansicht nach bei sehr zweifelhaftem Erfolg viel zu gefährlich.

Momentan wird Fedja medikamentös behandelt. Im Herbst 2006 verschlimmerte sich die gesundheitliche Situation vorübergehend, Fedja klagte über sehr starke Kopfschmerzen und musste sogar für einige Tage ins Krankenhaus gebracht werden. Unsere Angst, die Geschwulst könnte gewachsen sein, bestätigte sich zum Glück nicht.

Freizeitbeschäftigungen: Fedja besucht seit seiner Rückkehr nach Rogatschowo wieder das Fußballtraining und nimmt mit großer Freude, soweit es körperlich möglich ist, daran teil.

Jetziger Aufenthaltsort: Fedja war das erste Phönix-Kind, das noch im Dezember 2005 auf Druck der Staatsanwaltschaft das staatliche Kinderheim wieder verlassen konnte. Er lebt inzwischen wieder ganz offiziell in Rogatschowo. Es ist Fedja anzumerken, wie sehr er um die Phönixkinder in den staatlichen Heimen trauert

 

6.) Jana

 

Jana, August 2006

Vollständiger Name: Jana Kasbekowna Kuzminykh

Geburtstag laut Geburtsurkunde: 1.5.1996

Geburtsort auf Geburtsurkunde: Dmitrow, Gebiet Moskau

Tatsächlicher Geburtsort: Region Tscheljabinsk

Bei Phönix seit: Frühjahr 2002

Eltern / Familie: Jana kam in Tscheljabinsk im Südural zur Welt. Seit ihrem zweiten Lebensjahr lebte sie mit ihrer Mutter auf der Straße, nachdem die beiden den Vater in Tscheljabinsk verlassen hatten. Janas Bruder lebte zunächst weiter beim Vater, bis dieser 2004 verstarb.

Schule: Bevor sie nach Rogatschowo kam, hatte Jana weder Kindergarten noch Schule besucht, mittlerweile geht sie in die vierte Klasse. Sie bekommt gute Noten, muss allerdings regelmässig üben und braucht weiterhin Privatunterricht, da sie mitunter im Lerntempo etwas zurückbleibt. Da die Klasse ihrem Alter entspricht, ist das wichtigste für Jana, den Anschluss zur Klasse zu halten. Sie hatte bis zum Beginn der rechtlichen Streitigkeiten bereits einige Freundinnen in der Schule gefunden und fühlte sich dort zunehmend wohl. Seit April 2006 besucht sie die Schule wieder und hat sich mittlerweile neu dort eingelebt.

Freizeitbeschäftigungen: Jana wird ab Frühjahr 2007 eine Tanzgruppe besuchen.

Jetziger Aufenthaltsort: Jana war im Dezember 2005 zunächst in dasselbe Kinderheim in Dmitrow namens „Haus des Vertrauens“ gebracht worden wie Sergej S., Dima, ihr Bruder Sergej K. und Fedja. Wenige Wochen nach ihrem Bruder lief sie ebenfalls von dort fort zurück zu ihrer Mutter nach Rogatschowo. Sie besucht inzwischen wieder die Schule in Rogatschowo. Der Versuch des Jugendamtes, die weggelaufene Jana durch einen Sorgerechtsprozess erneut aus dem Phönix-Haus herauszuholen, scheiterte. Die Klage der Behörde wurde vom Dmitrower Stadtgericht abgewiesen.

 

7./ 8.) Zwillinge Katja und Serjoscha

 

     September 2005

Vollständige Namen: Ekaterina Jurewna Bludowa und Sergej Jurjewitsch Bludow

Geburtsdatum: 11. Juli 2002

Geburtsort: Wologda, Nordrussland

Bei Phönix seit: Frühjahr 2005

Familie / Geschichte: Die Zwillinge kamen Anfang 2005 auf Bitte des Polizeireviers auf dem Kasaner Bahnhof in Moskau zu Phönix. Die Mutter blieb auf dem Bahnhof. Als die Kinder zu Phönix kamen, waren sie stark vernachlässigt. Auf dem Bahnhof hatten sie sich mit etlichen Krankheiten angesteckt, aufgrund einer früheren Hepatitis A Erkrankung leiden sie an vielfältigen Allergien. Sie wurden gleich zu Beginn ihres Einzugs bei Phönix gründlich medizinisch untersucht. Es wurden mehrere Lebensmittelallergien festgestellt, aufgrund derer sie sich jetzt an einige Ernährungsregeln halten müssen. Eine weitere Behandlung ist laut den Ärzten momentan nicht notwendig.

Jetziger Aufenthaltsort: Die Mutter der Zwillinge ist inzwischen verschollen, nach allen geltenden Regeln müsste ihr das Sorgerecht entzogen werden. Katja und Sergej sind in ein Heim im nordrussischen Wologda verbracht worden und könnten nun wahrscheinlich nur noch zu Phönix zurückkehren, wenn sie jemand adoptiert. Maxim Jegorow kann sich vorstellen, die Zwillinge persönlich zu adoptieren.

 

9.) Mascha

 

 Mascha, September 2005

 

Vollständiger Name: Maria Nurbajewa

Geburtsdatum: 05. September 2004

Geburtsort: Moskau

Bei Phönix seit: Frühsommer 2005

Familie und Geschichte: Mascha wurde in Moskau auf der Straße zur Welt gebracht. Bis sie fünf Monate alt war, lebte sie gemeinsam mit ihrer Mutter Malochat, einer Flüchtlingsfrau aus Usbekistan, auf einer Toilette. Malochat erzählte, sie sei von ihrem Mann verstoßen worden, da sie keinen Sohn zur Welt gebracht habe. Maxim lernte sie über die Suppenküche kennen, und er beschloss, ihr zu helfen. Erster Schritt hierzu war ein Artikel über sie und ihre Mutter im „Moskowski Komsomolez“, Maxim Jegorow konnte eine Arbeit für Malochat finden, in einem Dorf unweit von Rogatschowo. Malachot arbeitete dort als Haushaltshilfe. Leider verließ Malachot im Frühsommer 2005 ihren neuen Wohn- und Arbeitsort und ließ ihr Kind zurück – seitdem lebte Mascha ebenfalls in Rogatschowo.

Jetziger Aufenthaltsort: Zunächst kam Mascha in ein Heim für Kleinkinder in der Nähe von Dmitrow. Maxim Jegorow kontaktierte ihre Mutter, die sich nun mit engagierte, um ihre Tochter zurückzubekommen. Im folgenden Gerichtsverfahren zweifelten die Behörden ihre Mutterschaft an und legten - gefälschte - Dokumente als Beweis vor. Da das Jugendamt in dem Verfahren überführt werden konnte und das Gericht keinen Grund erkannte, Mascha weiter in dem Heim festzuhalten, wurde das Kind der Mutter übergeben und wohnt seit Oktober 2006 mit deren Einwilligung wieder in Rogatschowo.

Im staatlichen Heim war Mascha u.a. an Krätze erkrankt und musste nach der Rückkehr zu Phönix intensiv ärztlich betreut werden. Malochat schlägt sich in Moskau mit Gelegenheitsjobs durch und besucht ihr Kind regelmäßig.

 

10.) Maxim

 

Maxim, Mai 2006     

Vollständiger Name: Maxim Sergeevich Kusmin, Rufname: Filipok

Geburtsdatum laut Geburtsurkunde: 11.01.1993

Geburtsort laut Geburtsurkunde: Stadt Dmitrow, Region Moskau

Bei Phönix seit: Frühjahr 2002

Eltern / Familie: Maxim kennt Vater und Mutter. Es gibt keine Informationen darüber, ob sein Vater noch lebt. Maxims Schwester und sein älterer Bruder leben bei der Großmutter in ihrem Geburtsort im Gebiet Twer. Maxim wollte nicht zu seiner Mutter zurückkehren, da diese Alkoholikerin war. Sie verstarb vor ca. zwei Jahren.

Geschichte: Maxim lebte seit 1996 in Moskau, er war gemeinsam mit seiner Mutter in die Hauptstadt gekommen, nachdem diese mit zweien ihrer Söhne von ihrem trinkenden Mann weggelaufen war. Maxim ist mehrfach von seiner Mutter und aus Kinderheimen weggelaufen, mehrmals ist er über längere Zeit bei Nina (der ersten „Hausmutter“) auf dem Bahnhof geblieben. Insgesamt ist er sieben Mal aus Kinderheimen ausgebrochen, einige Male gemeinsam mit Andrej B.

Schule: Bevor Maxim nach Rogatschowo kam, war er noch nie zur Schule gegangen. Bis Ende 2005 besuchte er die fünfte Klasse in Rogatschewo und bekam gute Noten. Derzeit erhält Maxim von seiner Lehrerin in Rogatschewo Privatunterricht, da er bis zur Klärung des Sorgerechts die öffentliche Schule nicht besuchen darf.

Freizeitbeschäftigungen: Maxim hat unverändert viel Spass am Fußballspielen. Er trainiert eifrig und nimmt wie schon 2005 an Fussballturnieren teil, die Independent Media für Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen organisiert.

Jetziger Aufenthaltsort: Als Maxim im Dezember 2005 gemeinsam mit Andrej Burta ins Moskauer Kinderheim Nr. 70 eingewiesen wurde, waren wir uns wohl alle ziemlich sicher, dass er bald ausbrechen und wieder auf der Straße landen würde. Doch die Überredungskünste v.a. von Maxim J., häufige Besuche weiterer Phönix-Mitarbeiter und nicht zuletzt das gemeinsame Schicksal mit Andrej führten dazu, dass er bis zum Sommer 2006 im Heim ausharrte und sich mehr oder weniger erfolgreich mit der Situation arrangierte – stets in der Hoffnung, bald wieder nach Rogatschowo zurückkehren zu können.

Andrejs Auszug in ein Wohnheim veränderte seine Haltung radikal, hinzu kam, dass er in ein anderes Kinderheim verlegt wurde. Maxim hielt nun nichts mehr zurück, er stahl sich schon am ersten Abend davon, fuhr mit dem Zug bis Dmitrow und wanderte die ganze Nacht hindurch von dort bis nach Rogatschowo. Seine Haltung gab er klar zu verstehen: Sein Zuhause sei Rogatschowo, er würde entweder dort bleiben oder auf der Straße leben, nicht jedoch ins Heim zurückkehren.

Der Leiter des Heims, in das Maxim verlegt werden sollte, sieht auch keinen Sinn darin, Maxim zu einer Rückkehr zu zwingen, und so lebt Maxim nun mit Duldung des zuständigen Heimleiters in Rogatschowo, bis alle Rechtsfragen geklärt sind und der Status wieder offiziell werden kann. Maxim Jegorow hat die persönliche Übernahme der Vormundschaft für den Jungen beantragt.
 

11.) Nikita

 

Nikita, September 2005

Vollständiger Name: Nika Michailowitsch Simonin

Geburtsdatum: 16. Mai 2001

Geburtsort: Batumi, Georgien

Bei Phönix seit: Sommer 2005

Familie / Geschichte: Nikita gelangte gemeinsam mit seiner Schwester Anja und dem Bruder Andrej über die Suppenküche zu Phönix. Er leidet an Epilepsie und war bei denselben Aerzten in Behandlung wie auch Fedja. Ihm wurde eine Reihe von Medikamenten verschrieben, mit denen die Krankheit reguliert werden soll. Eine weitere eingehende Untersuchung bei einem Epilepsiespezialisten in Moskau war vereinbart.

Nikita hatte sich so sehr an das arme Leben und an den täglichen Überlebenskampf auf der Straße gewöhnt, dass er in der ersten Zeit bei Phönix den Hunden ihr Futter wegnahm, um es zu essen. Er hatte sich jedoch schnell an das Leben in seiner neuen Familie und an richtige Mahlzeiten gewöhnt und fühlte sich zusehends zu Hause.

Jetziger Aufenthaltsort: in einem staatlichen Kinderheim in der Stadt Domodedowo südlich von Moskau. Eine Rückkehr zu Phönix kann nicht ausgeschlossen werden.

 

12.) Sascha

 

Sascha beim Fussball, Sommer 2006

Vollständiger Name: Alexander Borisowitsch Gussjew

Geburtsdatum: 03.10.1987

Geburtsort: Naro-Fominsk, Moskauer Region

Bei Phönix seit: Sommer 2003

Eltern / Familie, Geschichte: Sascha hat den größten Teil seiner Kindheit bei seinen Eltern verbracht, bis beide ihre Arbeit verloren und alkoholabhängig wurden. Sein Vater starb, die Mutter zog auf die Straße, letztlich wurde Sascha in ein Kinderheim eingewiesen. Gespräche mit dem Direktor des Kinderheims, in dem Sascha gelebt hatte, haben ergeben, dass Sascha häufig weggelaufen ist. Bei einem dieser Ausbrüche lernte er die Phönix-Kinder kennen. Sie freundeten sich an, und schließlich fragten die Kinder, ob Sascha bleiben dürfe. Sein häufiges Weglaufen ist auch der Grund, weswegen der Direktor des Kinderheims von Beginn an sehr dafür war, dass Sascha in Rogatschowo bleibt. Das Kinderheim Phönix sei wohl der der einzige Ort, an dem Sascha gern bleibe, an dem er die Schule besuche und den Weg zurück in ein geordnetes Leben schaffen könnte.

Sascha ist das älteste der Phönixkinder. Er ist volljährig und besitzt einen eigenen Pass.

Sascha hatte bereits 2004 unangenehme Bekanntschaft mit den Behörden gemacht: Ende Dezember 2004 war er von seinem alten Kinderheim regelrecht entführt worden. Hintergrund war wohl, dass Sascha mit Erreichen seines 18. Geburtstages (Oktober 2005) Recht auf die ehemalige Wohnung seiner Mutter, und an diesem Wohnraum hatte offenbar auch das Kinderheim Interesse. So besannen sie sich auf ihren Anspruch auf das Sorgerecht für Sascha. Ihr Plan war nun offensichtlich, Sascha in die Psychiatrie einzuliefern und ihn entmündigen zu lassen, um auf diese Weise an seine Wohnung zu kommen. Nach monatelangem Hin und Her inklusive einer Befreiungsaktion, einer weiteren Entführung und etlicher Gerichtsverhandlungen wurde im März 2005 vor Gericht beschlossen, dass Sascha offiziell nach Rogatschowo zurückkehren konnte – dies war auch mithilfe der russischen Medien sowie durch die Übernahme der Vormundschaft durch Olga Jegorowa möglich geworden.

Schule / Ausbildung: Sascha ist mittlerweile volljährig und in der Ausbildung, wird aber auch weiterhin von Phönix unterstützt. Er hatte die Schule 2005 abgeschlossen (nach neun Klassen, der Abschluss entspricht in etwa der deutschen Realschule) und im September 2005 auf eigenen Wunsch eine Friseurlehre an einer staatlichen Berufsschule begonnen. Da diese Berufsschule leider zu eng mit der Dmitrower Administration verbandelt ist, setzte mit den Rechtsstreitigkeiten rund um Phönix ein regelrechtes Mobbing gegen Sascha in der Schule ein. Um ihm dennoch einen Abschluss zu ermöglichen, blieb uns nichts anderes übrig, als ihm den Wechsel auf eine andere Schule zu ermöglichen. Er besucht nun seit September 2006 eine private Berufsschule in Moskau. Wegen der besseren Erreichbarkeit des Ausbildungsplatzes wohnt er in Dmitrow bei der Familie des Projektleiters Maxim Jegorow. Phönix übernimmt die Kosten der Ausbildung und beteiligt sich am Unterhalt.

 

13.) Sergej K.

 

Sergej und Jana, Juli 2006

Vollständiger Name: Sergej Kuzminykh

Geburtsdatum: 5. März 1994

Geburtsort: Tscheljabinsk

Bei Phönix seit: Sommer 2005

Familie / Geschichte: Sergej ist der Bruder von Jana. Er lebte lange bei seinem Vater in Tscheljabinsk, getrennt von der Mutter, doch in der Familie hatte man keine großen Sympathien für ihn. Er wurde häufig geschlagen, doch als Erbe bzw. Stammhalter wurde er geduldet. Nach dem Tod seines Vaters bestand der Schuldirektor jedoch darauf, Sergej aus dieser Familie fortzunehmen. Sergej hatte zwei gebrochene Rippen, durch Schläge beschädigte Nieren, sein ganzer Kopf ist mit Narben übersäht (alles Folgen der „Erziehung“ durch seine Verwandten). Als seine Mutter kam, um ihn abzuholen, weinte Sergej und fragte, ob die Phönix-Kinder ihn überhaupt aufnehmen würden. Inzwischen hat er sich gut eingelebt.

Schule: Sergej besucht seit April 2006 wieder die Schule in Rogatschowo, er geht jetzt in die 5. Klasse.

Freizeit / Hobbys: Sergej spielt gerne Fußball und geht hier auch wieder zum Training, außerdem besucht er einen Malzirkel; er  zeichnet sehr gut und möchte später gern auf die Kunstschule gehen.

Jetziger Aufenthaltsort: Sergej war im Dezember 2005 in dasselbe Kinderheim wie seine Schwester gebracht worden. Er hielt es dort jedoch nicht besonders lange aus, sondern rannte bereits kurz nach Neujahr fort. Danach lebte er zunächst einige Wochen heimlich bei seiner Mutter. Der Versuch des Jugendamtes, den Jungen durch einen Sorgerechtsprozess erneut aus dem Phönix-Haus herauszuholen, scheiterte. Die Klage der Behörde wurde vom Dmitrower Stadtgericht abgewiesen.

 

14.) Sergej S.

 

 Sergej, September 2005

Vollständiger Name: Sergej Sergejewitsch Soldatow

Geburtsdatum: 15.12.1997

Geburtsort laut Geburtsurkunde: Stadt Dmitrow, Region Moskau

Bei Phönix seit: Sommer 2002

Eltern / Familie: Sergej hatte sein ganzes Leben bis zum Einzug in Rogatschowo 2002 gemeinsam mit seiner Mutter auf der Straße und in verschiedenen häufig wechselnden Domizilen verbracht. Im ersten Halbjahr 2004 besuchte er den Kindergarten. Der Kontakt zu gleichaltrigen Kindern hat ihm sehr gut getan, auch der Zwang, sich an eine gewisse Disziplin in der Gruppe zu halten. Dies gilt genauso für die Schule, inzwischen geht er in die 2. Klasse.

Vor allem dank dem Sommerurlaub 2005 begann er langsam, sich an ein Leben ohne Mutter zu gewöhnen. Dies hat sich im Zuge der dann folgenden Ereignisse jedoch wieder stark verändert, er fühlt sich offensichtlich sehr verunsichert und alleingelassen.

Schule: Sergej besuchte Ende 2005 die zweite Klasse, er brauchte noch Hilfe bei den Hausaufgaben und hatte immer wieder Probleme dabei, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Alles in allem kam er jedoch gut in der Schule zurecht.

Freizeit / Hobbys: Serjoscha spielte gerne mit Spielzeugautos und liebte das Herumtoben im Garten.

Jetziger Aufenthaltsort: Sergej war im Dezember 2005 zunächst in dasselbe Kinderheim in Dmitrow namens „Haus des Vertrauens“ gebracht worden wie Dima, Jana, ihr Bruder Sergej K. und Fedja. Im Herbst 2006 befand er sich nicht mehr dort, der derzeitige Aufenthaltsort ist Phönix nicht bekannt. Er müsste sich aber in einer Einrichtung des Landkreises Dmitrow befinden. Eine Rückkehr zu Phönix ist leider unwahrscheinlich.

 

15.) Zwillinge Vera und 16.) Ljuba

 

             

 

Vera Michailowna Sinitschkina und Ljubow Michailowna Sinitschkina sind Geschwister von Anja, Nikita und Andrej. Die beiden Zwillinge kamen Anfang September 2005 in das Phönix-Haus. Vorher lebten sie wohl teils auf der Straße, teils bei der Großmutter und mit der Mutter. Beide wurden laut Geburtsurkunde in Domodedowo/ Gebiet Moskau geboren.

Jetziger Aufenthaltsort: in einem staatlichen Kinderheim in der Stadt Domodedowo südlich von Moskau. Eine Rückkehr zu Phönix kann nicht ausgeschlossen werden.

 

17.) Sitora

                         

Sommer 2005: Sitora mit der kleinen Mascha…   und mit Dima und Olga Jegorowa

Vollständiger Name: Sitora Rakhmonalieva Oeva

Geburtsdatum: 11.03.1991

Geburtsort: Dushanbe, Tadschikistan

Bei Phönix seit: Sommer 2003

Eltern / Familie: Sitora weiss nichts über ihren Vater (oder erzählt nichts), sie ist bei ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester aufgewachsen. Die Mutter ist Russischlehrerin, sie war in den vergangenen Jahren mehrfach mit Sitora in Moskau. Diese “Reisen” begannen etwa vor sechs Jahren, einige Verwandte lebten ebenfalls in Moskau, es gibt aber keinen regelmäßigen Kontakt. Sitoras Mutter arbeitete während ihrer Moskauaufenthalte als Toilettenfrau an einem Moskauer Bahnhof, an dem sie dann auch schläft.

Schule: Sitora hatte die erste und dritte Klasse in Tadschikistan abgeschlossen. Sie ist sehr intelligent, spricht Tadschikisch, Russisch, und sie versteht Usbekisch. Sie besuchte in Rogatschewo die vierte Klasse und machte sich sehr gut in der Schule.

Freizeit / Hobbys: Sie war sehr wissbegierig, tanzte und sang mit großem Vergnügen. Außerdem kümmerte sie sich mit großem Einsatz um die Kleinkinder, „ihr Geschwister“, die bei Phönix lebten. Sie half beim Kochen und beim Lernen, Spaß machte ihr ausserdem der Nähunterricht, den Jana und sie von der Frau des Projektmanagers erhielten. Sitora besuchte den Schulchor und lernte mit Begeisterung stricken.

Jetziger Aufenthaltsort: Sitora war im Dezember 2005 mit Dima, Jana, Sergej K., Sergej S. und Fedja in das Heim „Haus des Vertrauens“ in Dimitrow gebracht worden. Sie wurde nach einigen Wochen auf Druck der Staatsanwaltschaft an ihre Mutter übergeben. Gemeinsam beschlossen Mutter und Tochter im Frühjahr 2006, nach Tadschikistan zurückzukehren. Sitora lebt heute in der Hauptstadt Duschanbe. Phönix steht in telefonischem Kontakt mit ihr. Nach eigenen Angaben besucht sie inzwischen wieder eine Schule.

Eine Rückkehr zu Phönix ist aus rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Gründen unmöglich.

 

Alexej

 

Vollständiger Name: Alexej Salawatowitsch Michailow

Geburtsdatum: 01. Dezember 1987

Familie / Geschichte: Alexej kam Ende 2004 ins Phönix-Haus. Er hatte bis dahin gemeinsam mit seiner Mutter in einer Mietwohnung in Rogatschowo gelebt. Alexej war bereits seit längerem mit Sascha befreundet und kam häufig zu Besuch. Aufgrund finanzieller Probleme verlor die Mutter die Wohnung und bat darum, Alexej bei Phönix aufzunehmen. Alexejs Mutter versuchte lange Zeit, Arbeit und Wohnung zu finden.

Jetzt arbeitet sie in Rogatschowo, mietet dort eine Wohnung und nahm Alexej wieder bei sich auf.

 

II. Das neue Haus

Eine Verbesserung und Erweiterung des Wohnraums wurde zum einen wegen des schlechten Zustands der bestehenden alten Wohnhaushälfte notwendig, zum anderen war dies auch immer eine der Hauptforderungen der Dmitrower Verwaltung, bevor das Phönix-Haus als „echtes Kinderheim“ anerkannt werden könnte.

Als ersten Schritt hatte Phönix die zweite, leerstehende Haushälfte gekauft. Nach langen juristisch und praktisch bedingten Verzögerungen bei der dafür notwendigen Dokumentenbeschaffung durch die Vorbesitzer gehört uns dieser zusätzliche Raum seit 2004. Die zweite Haushälfte befand sich zum Zeitpunkt des Kaufs in einem beklagenswerten Zustand. Daher wurde sie zunächst nur als Lagerraum für Kleider und Lebensmittel genutzt.
Nach langen Diskussionen und dem Erstellen unterschiedlicher Finanzierungspläne wurde schließlich Anfang 2005 der Entschluss gefällt, von der zunächst geplanten Renovierung der beiden Haushälften abzusehen und stattdessen in ein komplett neues Gebäude zu investieren. Platz war auf dem 30 a großen Grundstück ausreichend vorhanden.

 

 Februar 2006  

Der Hausbau begann im Sommer 2005 und ließ sich zunächst sehr positiv an. Die zuständige Baufirma sagte eine Fertigstellung bis Anfang Juni 2006 und danach bis Ende Oktober fest zu, so dass wir die Hoffnung hatten, selbst im Falle ernstlicher Verzögerungen spätestens bis zum Winter 2006 dort einziehen zu können. In einer Tischlerei in Pereslawl wurden bereits Stockbetten und Einzelbetten, eine Eckbank und ein großer Eßtisch angefertigt.

Leider kam alles dann ganz anders. Die Baufirma erwies sich als nicht so seriös wie erhofft. Im Frühjahr stellte sich nach der Schneeschmelze heraus, dass beim Kellerbau gepfuscht worden war: Er stand unter Wasser. Der Unternehmer sah es nicht als seine Aufgabe an, diesen Mangel zu beseitigen, er forderte außerdem mit einem Mal wesentlich mehr Geld für den Bau als zuvor vereinbart und weigerte sich, vor Erhalt der zusätzlichen Mittel weiterzubauen. Ein monatelanges Hin und Her, gekennzeichnet durch vom Bauunternehmer nicht eingehaltene gemeinsam erarbeitete Kompromisse, endete mit dem Ergebnis, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich war.

Es hat sich nun ein Architekturbüro aus dem 200 km entfernten Pereslawl eingeschaltet, mit dem Dorothea Volkert bereits aus anderen gemeinsamen Projekten gut bekannt ist. Nach einer Begutachtung schickten sie einen Bautrupp, der zunächst den Keller sanierte. Sie haben sich nun der Sache angenommen und erstellen einen Maßnahmen-Plan zur Fertigstellung des Hauses. Parallel arbeiten wir daran, den Bauunternehmer für seinen Vertragsbruch und die Baumängel gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen.

Es ist aber absehbar, dass das Haus erst beziehbar sein wird, wenn Phönix die Mehrkosten für den Bau und die Ausgaben für Heizung und Kanalisation aufbringen kann.

 

 Mai 2006  

 

III. Entwicklung der rechtlichen Situation

Bereits im Sommer 2005 hatte die Kreis-Verwaltung in Dimtrow versucht, gegen Phönix vorzugehen. Wegen angeblich unhaltbarer hygienischer Zustände im Haus, einer zu geringen Wohnfläche und fehlender rechtlicher Grundlagen für das Bestehen des Phönix-Hauses klagte die Staatsanwaltschaft auf Fortbringung der Kinder in staatliche Heime. Der Prozess endete damals mit einer Niederlage der Behörden. Die Klage wurde abgewiesen.

Auf anonyme Anzeigen hin war anschließend mehrfach die Phönix-Buchhaltung überprüft worden. Die Beschuldigungen, Phönix betreibe illegale Geschäfte, wurden erwartungsgemäß widerlegt. Es gab dann sogar den Verdacht, tschetschenische Terroristen würden das Phönix-Haus als Bleibe nutzen, auch diese Vorwürfe erwiesen sich – nach einer Hausdurchsuchung durch ein schwer bewaffnetes Eingreifkommando - natürlich als haltlos.

Am 14. Dezember 2005 folgte dann der nächste Schlag: Am frühen Morgen wurde alle 16 Kinder in einer Nacht- und Nebelaktion gewaltsam aus dem Haus gebracht. Die beiden Hausmütter waren zuvor festgenommen und zu einer „Ausweiskontrolle“ aufs Polizeirevier gebracht worden, wohl, damit sie keinen Widerstand während der Aktion leisten konnten. Dokumente, die die Aktion gerechtfertigt oder auch nur begründet hätten, wurden lange Zeit nicht vorgelegt, erst Tage später erhielt Maxim Jegorow einen angeblich vom Landrat der Region stammende Verfügung – angeblich, denn sie war weder unterzeichnet noch mit einem rechtskräftigen Stempel versehen.

Die Kinder wurden auf unterschiedliche Kinderheime und Krankenhäuser verteilt, es dauerte z.T. Wochen, bis bekannt war, wo sich die einzelnen Kinder aufhielten. In den folgenden Tagen und Wochen erfuhr die Aktion des Dmitrower Jugendamtes bzw. die Situation von Phönix viel unterstützende Beachtung in der russischen und deutschen Presse. Dies wurde auch bewusst von Phönix gefördert, denn die Erfahrung im Fall von Sascha (s.o.) hatte gezeigt, dass permanente Aufmerksamkeit von außen ein zu eigenmächtiges Handeln der Behörden gegebenenfalls verhindern oder zumindest einschränken kann.

Zahlreiche Unterstützer von Phönix – Einzelpersonen wie Wohltätigkeitsorganisationen, Vereine, die Deutsche Botschaft, Pfarrer Amling von der evangelische Gemeindegruppe an der deutschen Botschaft in Moskau, die Vorsitzenden des CICF, Frau Manz vom Russki Klub in Zürich u.v.a.m. – haben sich seitdem an die offiziellen Stellen gewandt mit der Bitte um Unterstützung. Auch in Rogatschowo wurden Hunderte von Unterschriften für die Rückkehr der Kinder gesammelt.

Ein Zeichen für einen gewissen Rückhalt im Ort, der natürlich sehr gut für Phönix ist. Auch die Lehrerinnen der örtlichen Schule haben sich hinter Phönix gestellt, obwohl die örtliche Bildungsbehörde allen Pädagogen schwere Konsequenzen androhte, sollten sie sich für die Kindern stark machen.

Da der Kernpunkt in den Vorwürfen gegen Phönix offenbar der fehlende Platz im Haus ist, versprach das für den Neubau verantwortliche Bauunternehmen, das neue Haus nicht erst wie zunächst vereinbart im Juni 2006, sondern schon früher zu übergeben – dies erwies sich leider als falsche Versprechung (s. Abschnitt III).

Es folgten zahlreiche Gerichtsverfahren im Laufe von 2006, D. Volkert verbrachte mehrfach längere Zeitabschnitte vor Ort.

 Dorothea Volkert mit Jana, Sergej und Fedja, Februar 2006

 

Im Laufe des Jahres wurden etliche Sorgerechtsprozesse geführt, die letztlich alle zugunsten der leiblichen Mütter und somit auch zugunsten von Phönix entschieden wurden:

-          Lena wurde vom Stadtgericht in Dimitrow das Sorgerecht für ihre Kinder Jana und Sergej zugesprochen

-          die leibliche Mutter von Mascha Nurbojewa klagte ihr Kind erfolgreich aus dem Dmitrower Heim für Kleinkinder heraus.

-          eine Sorgerechtsklage gegen Fedjas Mutter wurde einen Tag vor der Verhandlung von den Behörden zurückgezogen.

Inzwischen sind fünf Kinder wieder bei Phönix, zwei weitere absolvieren, von Phönix betreut, eine Ausbildung:

-          Fedja ist bereits seit Ende 2005 wieder bei Phönix, zunächst inoffiziell, später dann offiziell

-          Lenas Kinder Jana und Sergej sind seit Januar 2006 wieder bei ihrer Mutter im Phönixhaus

-         Mascha lebt seit Oktober 2006 wieder in Rogatschowo

-          Maxim ist ebenfalls seit Oktober 2006 wieder in Rogatschowo – mit bislang noch nicht endgültig geklärtem rechtlichen Status

-          Sascha wird bei seiner Ausbildung als Friseur von Phönix unterstützt, er wohnt bei der Familie des Projektleiters